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8. Drittes Buch für meine Recherche: “Der Schatten des Kaisers”

8. Drittes Buch für meine Recherche: “Der Schatten des Kaisers”

Jean- Dominique Larrey und Napoleon

“Der Schatten des Kaisers” von Johannes K. Soyener (Rezension)

Meine Bibliothek füllt sich! Die Recherchen für meinen historischen Roman, der inzwischen den Arbeitstitel “Herz und Hände” trägt, brachten mir echte Leseperlen ins Haus. “Der Schatten des Kaisers” ist für mich ein absoluter Glückgriff, weil er zig spannende historische Informationen enthält, nicht in Form einer trockenen theoretischen Abhandlung, sondern als lebendiger Roman.

Wer war Jean-Dominique Larrey?

Der Hauptcharakter Jean-Dominique Larrey war als Chirurg bei 24 napoleanischen Feldzügen dabei. Er wusste am Ende selbst nicht, wie er all die Torturen überlebt hat, aber er starb tatsächlich im hohen Alter friedlich daheim. Gelebt hat dieser Mann von 1766 bis 1842. Napoleon ernannte ihn 1809 eigenhändig zum Baron, obwohl die beiden sich nicht immer ganz grün waren.

Larrey brachte der Armee viele vor allem logistische medizinische Neuerungen. Er erfand die fliegende Ambulanz (“Ambulance volante”), deren Wagen mitten ins Schlachtgetümmel fuhren, um Verletzte vor dem Verbluten zu retten. Kein Wunder also, dass der Chirurg immer wieder in bedrohliche Situationen geriet, die er allesamt überstand. Sein erstes und wichtigstes Anliegen bestand darin, die Verwundeten bestmöglich zu versorgen – vor eigenen Opfern schreckte er nicht zurück.

Jean-Dominique Larrey in jungen Jahren / Von Maler: Girodet, Gravur: Rubierre – http://www.biusante.parisdescartes.fr/histmed/image?02038, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19687522

Er hatte Napoleons Hochachtung

Napoleon Bonaparte sagte über seinen Chefchirurgen Larrey:

„Larrey ist der redlichste Mann und der größte Freund der Soldaten, den ich je gekannt habe. Wachsam und unermüdlich in der Pflege der Verwundeten, sah man ihn auf dem Schlachtfeld nach einer Aktion, von einem Train junger Chirurgen begleitet, sorgfältig nachforschen, ob in den Körpern noch ein Lebenszeichen zu entdecken ist. In der rauesten Witterung, in der Nacht wie am Tage, wurde er so unter den Verwundeten gesehen. Selten erlaubte er seinen Gehilfen einen Augenblick auszuruhen. Er plagte die Generale und störte sie nachts auf ihren Betten auf, wenn irgendeine Anordnung oder Hilfe für die Verwundeten oder Kranken nötig war.

Sie fürchteten ihn alle, denn sie wussten, dass er jeden Augenblick bereit war, zu mir zu gehen und mir die Klagen vorzulegen. Er war der unerbittliche Feind der Lieferanten.“

Ein eindrucksvolle Zeugnis, das der Roman durch seine Handlung “Im Schatters des Kaisers” noch kräftig untermalt.

Wie gesagt, der Kaiser und sein Chirurg waren sich keinesfalls immer einig. Umso beachtlicher erscheint Napoleons Hochachtung gegenüber diesem Mann.

Larreys Verdienste

Napoleon und Larrey / Von Ruhierre. Graveur – This file was provided to Wikimedia Commons by the Bibliothèque municipale de Toulouse as part of a cooperation project with Wikimédia France., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25555268

Nicht nur die fliegende Ambulanz ging auf Larreys Konto, er machte auch einige interessante Entdeckungen, die die Medizin voranbrachten.

Er beobachtete zum Beispiel die anästhesierende Wirkung von Kälte, stellte fest, dass Fliegenmaden an Wunden heilsam wirken (tatsächlich!) und fand heraus, warum viele Soldaten ohne äußere Wunden plötzlich verstarben: Sie hatten innere Verletzunge und erlagen dem unsichtbaren Blutverlust, dem symptome de choque, wie er sagte. Auch heute noch sprechen Mediziner in diesem Zusammenhang von “Schocksymptomatik”.

Außerdem gelangen ihm blitzschnelle lebensrettende Amputationen – die Technik dafür gab er an seine Gehilfen weiter.

Baron Jean-Dominique Larrey im Alter / Von Photo by Trinquart from artwork by C. Fuchs – http://ihm.nlm.nih.gov/images/B16992, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18579262

Mein Fazit: Das Leben - und seine Geschichten

Der Roman ist klasse, muss ich sagen. Nicht nur wegen der enthaltenen Infos, den vielen Operationen, den realistischen Kriegshandlungen und der glaubwürdigen (querköpfigen) Charaktere Napoleon & Larrey. Auch die Story, die der Autor drumherum gebastelt hat, gefällt mir, obwohl sie teilweise frei erfunden ist. Aber genau so soll schließlich ein historischer Roman sein: fantasievoll und realistisch, aber nicht völlig naturgetreu.

Meine gewagte These: Das Leben schreibt die allerbesten Geschichten erst dann, wenn ihm ein guter Autor etwas auf die Sprünge hilft 😉

So ein Buch ist echt brauchbar!

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