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7. Zweites Buch für meine Recherche: “Schnitt!”

7. Zweites Buch für meine Recherche: “Schnitt!”

28 Mal Autsch!

“Schnitt!” von Arnold van de Laar (Rezension)

Auch dieses Buch habe ich mir sehr frühzeitig angeschafft, um meinen Roman mit historischen medizinischen Fakten zu untermauern. Es kam gleich nach “Der Horror der frühen Medizin” von Lindsey Fitzharris ins Haus, das ich euch bereits vorgestellt habe. Das erste Buch ist ein einziges großes AUTSCH, die zweite Lektüre teilt sich hingegen in 28 schmerzhafte AUTSCH-Kapitel. Wirklich wahr! Der vollständige Titel lautet: “Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie in 28 Operationen”.

Historische Figuren in prekären Situationen

Weil der Protagonist in meinem Roman ein Chirurg ist, der im 19. Jahrhundert lebt und arbeitet, dachte ich mir: Das könnte mir weiterhelfen. Und das tat es auch. In van de Laars Schmöker kommt nicht nur Präsident John F. Kennedy unters Messer, sondern auch sein mutmaßlicher Mörder Lee Harvey Oswald. Außerdem begegnen wir historischen Figuren wie Königin Victoria, Albert Einstein und der “dicken” Königin Caroline in prekären medizinischen Situationen. Ich will nicht sagen, dass es Spaß macht, sie alle leiden zusehen, kann mich aber eines gewissen Amüsements nicht erwehren. Die Operationen sind brutal ehrlich beschrieben, doch es klingt immer ein Stück Humor mit, der die Lektüre sehr erleichtert.

Hier geht es übrigens zu meinem Mini-Hörbuch 🙂

Lee Harvey Oswald: Von unbekannter US-amerikanischer Behördenangestellter - Warren Report, allgemein publiziert, selbst gescanntes Foto., Gemeinfrei, Link

Selbst ist der Mann: Jan de Doot und sein Blasenstein

Das Buch brachte mir genau das, was ich mir erhoffte: Es veranschaulichte mir die Grundprinzipien der Chirurgie und ließ mich verschiedene interessante Operationen “live” erleben. Den Anfang macht der völlig irre Schmied Jan de Doot, der im 17. Jahrhundert die unglaubliche Tat vollbrachte, sich eigenhändig einen hühnereigroßen Blasenstein herauszuschneiden. Eigentlich hätte er daran verbluten müssen, nur seine Vorgeschichte rettete ihm das Leben. Er war nämlich schon mehrmals vorzeitig vom Operationstisch gehüpft und geflohen. Das Narbengewebe der alten Schnitte war wohl der Grund, warum er bei seiner Eigeninitiative keine tödliche Blutung auslöste. Jan de Doot vertraute mehr auf sein eigenes Können als auf die Fähigkeiten der damaligen “Steinschneider” – und kam damit davon.

Jan de Doot mit seinem Blasenstein: Von unbekannter US-amerikanischer Behördenangestellter - Warren Report, allgemein publiziert, selbst gescanntes Foto., Gemeinfrei, Link

Warum “Sissi” mit tödlicher Wunde noch weiterlaufen konnte

Auch Kaiserin Sissi nimmt der Autor, der übrigens selbst Chirurg ist, unter die Lupe. Die berühmte Dame kam zwar nicht auf den Operationstisch, aber sie lief ziemlich lange mit einer tödlichen Herzwunde herum, ohne zu wissen, dass sie dabei war, zu sterben. Der Attentäter rammte ihr eine Feile zwischen die Rippen, aber sie setzte ihren Weg zum Schiff, das sie erreichen wollte, fort, mehr irritiert als ernsthaft besorgt. Dabei rann durch die schmale Verletzung in aller Seelenruhe das Blut aus dem Herzen in den Herzbeutel und wurde nur durch das harte Korsett im Oberkörper gehalten. An Bord hatte die berühmte Monarchin einen kleinen Schwächeanfall, musste sich hinlegen, dann ging es ihr kurz wieder besser. Erst, als das Korsett geöffnet wurde, ging es mir ihr zu Ende.

Das enge Korsett verlängerte ihr Leben – ein wenig

Das enge Korsett hat Sissis Leben also ein wenig verlängert, doch retten hätte man sie damals nicht können. Herzoperationen waren zu jenen Zeiten noch verpönt: “Chirurgen, die den Versuch machen, am Herzen zu operieren, können nicht mehr auf den Respekt ihrer Kollegen hoffen”, hatte der berühmte Wiener Chirurg und Professor Theodor Billroth einige Jahre zuvor proklamiert. Und dabei war es bis zu Sissis Tod geblieben. Schade, eigentlich.

Kaiserin Sissi / gemeinfreies Bild von Wikipedia

Jeder Eingriff ein Gewinn für mich

Fachwörter, Abläufe, Komplikationen: Ich habe durch diese Lektüre einiges gelernt, vor allem kann ich mich nun noch besser in die Thematik einfühlen. Außerdem bietet mir das Buch eine wunderbare Vorlage für spannende Operationen in meinem Roman. Garantiert komme ich auf den einen oder anderen Eingriff zurück, in ganz anderem Zusammenhang und auf eigene Weise. Eines jedoch kommt in meinem Manuskript ganz sicher nicht vor: Die Operation an einem Zitteraal, die der Autor van de Laar ganz zum Schluss seines Werks beschreibt. Das passt leider nicht zu meiner Story, entfaltet aber einen speziellen Reiz. Der Chirurg stand während der Operation in ständiger Gefahr, einen tödlichen Stromschlag zu erleiden. Zitteraale sind schon recht eigenwillige Patienten.

Ein Zitteraal / Von opencage - <a rel="nofollow" class="external free" href="http://opencage.info/pics.e/large_9953.asp">http://opencage.info/pics.e/large_9953.asp</a>, CC BY-SA 3.0, Link

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