Albert Battel: der Nazioffizier, der Juden rettete

Wehrmachtsoffizier Albert Battel stand mit seinen Soldaten auf der Brücke zum Ghetto und wehrte die SS mit Androhung von Waffengewalt ab. Dann rettete er eigenhändig rund 500 Juden das Leben.

Auf der Brücke zum jüdischen Ghetto standen sich die SS-Lastwagen und ein entschlossener Wehrmachtsoffizier gegenüber. Die SS wollte die Juden ins KZ deportieren, doch Albert Battel blockierte die Brücke als einzigen Zugang. Er hatte bewaffnete Soldaten dabei und rührte sich nicht vom Fleck.

Keine tödliche Saat für die SS

Damals, 1942 im polnischen Przemyśl, hatten die Nazis die Herrschaft übernommen und das jüdische Viertel schon seit Monaten mit Stacheldraht gesichert, um nun die tödliche Saat einzufahren. Doch einer war nicht einverstanden. Er hatte bereits Juden verschont, die bei der Abriegelung aus dem Ghetto geflüchtet waren, nun wies er die SS auf der San-Brücke zurück.

Eine Befugnis dafür gab es nicht, aber Battel hatte die besten Argumente zur Hand: Die Waffen seiner Leute, die auf die SS-Männer zielten. Das überzeugte die SS und ihre Lastwagen machten kehrt. Als der Feind abgewehrt war, stieg der Offizier in seinen eigenen Militärlaster und fuhr damit ins Ghetto. Er lud so viele Menschen wie möglich in die ihm zur Verfügung stehenden Fahrzeuge, brachte sie in die Wehrmachtskaserne, überredete seinen Vorgesetzten und schaffte Verpflegung herbei.

Major Max Liedtke, Gerechter unter den Völkern
Major Max Liedtke
KI-Bild als Platzhalter - leider gibt es kein frei verfügbares Foto von Albert Battel

"Militärische Notwendigkeiten"

Als Grund für ihr Vorgehen gaben Militärkommandant Major Max Liedtke und sein Adjutant Albert Battel „militärische Notwendigkeiten“ an. Aus Sicht der Nazis war es Hochverrat, und das Erschießungskommando würde keine Gnade kennen.

Battels Name landete in Heinrich Himmlers Akten – der Reichsinnenminister notiert dazu „unentschuldbare Verbrüderung mit den Juden“. Parteiausschluss, Einleitung eines Kriegsgerichtsverfahrens – Albert Battel schwieg und schied bald krankheitsbedingt aus seinem Dienst aus.

Dokument aus Heinrich Himmlers Akten über Albert Battel, aus Wikipedia

Battel & Liedtke als "Gerechte unter den Völkern"

Er überlebte den Krieg. Rechtsanwalt im zivilen Leben, der sich nie mit seiner mutigen Tat gebrüstet hat. 1952 starb der Held an einem Herzinfarkt. Rund 500 Menschen hat er das Leben gerettet, seit 1981 ehrt ihn die israelische Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“. 1994 erhielt auch sein Vorgesetzter Max Liedtke unter den Helden seinen Platz. Beide zeigten, wie wichtig es ist, an entscheidender Stelle „Nein“ zu sagen. Auch unter Einsatz des eigenen Lebens.

Lust auf einen spannenden historischen Roman? Meinen Roman „HERZ und HÄNDE“ gibt es als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch auf allen Plattformen.

HERZ und HÄNDE 

Eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert

Mit einem rebellischen Arzt und seinem viel zu schönen Bruder.

Als Störenfried im Gefängnis.

Als Saboteur in der französischen Armee.

Und mit Heimweh in Algerien.

Sein Ziel: Zurück zu Frau und Kindern. Doch dafür muss er tricksen, täuschen und sich selbst verraten.