TITANIC verpasst: 7 irre Geschichten

Er hatte fette Titel und mischte in der Kirchen-Ökumene weltweit mit: John Raleigh Mott erhielt sein Ticket zur Jungfernfahrt der Titanic sogar geschenkt! Wonach viele förmlich lechzten, war diesem Mann zu viel Prunk und Protz. Er schlug das Präsent aus – und entschied sich für ein bescheideneres Schiff.

John Raleigh Mott war internationaler Generalsekretär des berühmten YMCA, und des weltweiten christlichen Studentenbundes. Außerdem Vorsitzender der Weltmissionskonferenz in Edinburgh im Jahr 1910 sowie langjähriger Vorsitzender des Internationalen Missionsrats – Puh! Statt auf Kosten der großzügigen White Star Line in Saus und Braus nach New York zu reisen, wählte er mit seinem Mitarbeiter die deutlich bescheidenere SS Lapland.

Am Ziel angekommen, hörten sie vom Untergang der Titanic und sahen sich fassungslos an: „Der Herr scheint noch viel Arbeit für uns zu haben!“ ist von diesem Moment als Zitat überliefert. Tatsache! Wie schon im 1. Weltkrieg, organisierte Mott auch im 2. Weltkrieg gigantische Hilfsaktionen für Kriegsgefangene und verwundete alliierte Soldaten, was ihm 1946 den Friedensnobelpreis einbrachte. Erst 1955, 43 Jahre nach dem Untergang der Titanic, rief ihn sein Gott zu sich.

Edgar Selwyn: Das G von MGM

Die berühmte Filmproduktionsfirma Metro-Goldywn-Mayer MGM hätte einen anderen Namen, wäre Edgar Selwyn wie geplant mit der Titanic gefahren. MGM sind die mit dem brüllenden Löwen im Vorspann!

Selwyn cancelte aber seine Fahrt nach New York auf dem Luxusliner, da er sich mit seiner Frau noch die Lesung eines Theaterstücks anhören wollte.

Obwohl Broadway-Produzent Henry B. Harris die beiden drängte, mit ihm gemeinsam die spektakuläre Jungfernfahrt zu erleben, klebten sie fest an der holden Kunst. Harris selbst fuhr mit – und starb beim Untergang der Titanic.

Edgar Selwyn hingegen gründete 4 Jahre später die Filmgesellschaft Goldywn Pictures, die 1924 mit der Metro und Mayer fusionierte. Ohne das Pariser Theaterstück wären nur M und M geblieben – und das G in der Mitte, das hätte das kalte Meer geschluckt.  

John Coffey: der Heizer und das böse Omen

John Coffey befand sich bereits an Bord der Titanic, machte dann aber rechtzeitig die Biege. Der irische Heizer wechselte in Southampton vom Schwesternschiff Olympic auf den Luxusliner und sah etwas, das kein Passagier an Bord wusste: Im Kohlebunker der Titanic herrschte schon seit Tagen ein böser Schwelbrand, der nicht zu ersticken war. Für ihn bestimmt kein gutes Omen.

Doch erstmal blieb Coffey an Bord, verrichtete seinen Job bis Cherbourg, Frankreich, und schaufelte auch auf einer weiteren kurzen Fahrt nach Queenstown in Irland fleißig Kohlen. Von dort sollte es über den Nordatlantik nach New York gehen, wo die Titanic aber, wie wir heute wissen, niemals ankam. Der Heizer hatte sich zur Arbeit verpflichtet und konnte nicht einfach den Dienst quittieren, darum haute er in seinem Heimatland heimlich ab, versteckte auf einem Boot mit Postsäcken.

Bis heute weiß niemand genau, ob der Mann nur eine kostenlose Passage zu seiner Familie wollte oder wirklich in dem Brand ein Vorzeichen der Katastrophe sah. Ebenso wenig ist geklärt, ob der andauernde Schwelbrand den Schiffsrumpf so geschwächt hat, dass er die Eisbergkollision nicht überstand. Vielleicht wäre es ohne den Vorschaden gar nicht zum Untergang gekommen. John Coffey prahlte jedenfalls gegenüber der Presse, er habe das Unglück vorausgesehen. Wer hätte das an seiner Stelle nicht gesagt?

Milton S. Hershey: Schokoglück statt Untergang

Im amerikanischen Städtchen Hershey im Hershey Community Archiv liegt ein Scheck über 300 Dollar – für eine Luxussuite auf der Titanic. Schokomogul Milton Hershey und seine Frau haben die gekauften Tickets nie genutzt – deshalb wuchs ihr gigantisches Schokoimperium bis heute an. In Hershey gibt es auch den Hershey Freizeitpark mit seinen Achterbahnen, die Milton Hershey Schule, das Hershey Gesundheitszentrum und die Schokoladenfabrik, um die sich die Hershey-Welt dreht. Alles zusammen nennt sich übrigens Chocoletown, USA: Klingt wie im Comic, ist aber so!

Hersheys Vorfahren hießen eigentlich Hirschi, sie stammten aus der deutschen Pfalz, mit einem tüchtigen Schweizer Einschlag. Bei dem Buben schlugen im neuen Heimatland Amerika direkt Schweizer Gene durch, er wollte nichts anderes, als Schokolade produzieren. Dreimal hat er es versucht, dreimal ging er pleite, dann klappte es ausgerechnet mit Karamell.

Er erntete Millionen, verkaufte alles wieder – natürlich bis auf den Schokoladenzweig des Geschäfts – und realisierte seinen Hershey Chocolate Traum.

Farmland, Milchwirtschaft, hübsche Häuschen für die Mitarbeiter, eine Schule für die Kinder, Gesundheitsversorgung, ein Hershey Theatra, eine HersheyPark Arena – und die Schoki kam zu Weltruhm. Leider war Miltons Frau Kitty nicht bei bester Gesundheit, weshalb die beiden öfter Erholungsurlaub an der Riviera machten.

1912 sollte es zur Rückfahrt dann die Titanic sein! Doch wie das Leben spielt: Eilige Geschäfte kamen dazwischen, die Hersheys schlugen die Tickets in den Wind und reisten früher mit dem deutschen Linienschiff Amerika ab. Auf einer Postkarte an ihre Mutter schreib Kitty später: „Ich habe gerade vom Untergang des großen Dampfers gehört. Wie dankbar bin ich, dass Gott uns auf unseren Reisen in Sicherheit bringt.“ Der Schokomogul verließ diese Welt mit reifen 88 Jahren im Oktober 1945 – und hinterließ nicht nur zartschmelzende Süße, sondern auch eine lebenswerte Stadt, die auf echter Menschenliebe fußt

David Blair: die Rache des Offiziers?

Der schottische Schiffsoffizier war beim Bau der Titanic in Belfast dabei, nahm an den Probefahrten teil und begleitete die Positionierungsfahrt nach Southampton. Dann wurde er ausgetauscht – und die Jungfernfahrt fand ohne ihn statt. Wenige Tage vor der Abfahrt schrieb David Blair auf einer Postkarte an seine Schwägerin: „Dies ist ein großartiges Schiff, ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht auf ihrer ersten Reise dabei sein werde.“

Ob er aus Versehen oder mit Absicht den Schlüssel zum Schrank mitnahm, der das Fernglas für den Ausguck enthielt: Darüber streiten sich bis heute die Geister. Es soll sein privates Fernglas gewesen sein, somit hätte er es statt des Schlüssels behalten können. Außerdem vertrat der an Blairs Stelle getretene zweite Offizier Lightoller wohl die Ansicht, dass Ferngläser zu kleine Ausschnitte der Gesamtsicht zeigen und somit der Brücke, nicht dem Ausguck vorbehalten sein sollten.

Fred Fleet, einer der Männer im Krähennest, der die Katastrophe überlebt, sagte vor dem Untersuchungsausschuss: „Hätten wir ein Fernglas gehabt, hätten wir den Eisberg früher gesehen. Früher genug, um in Sicherheit zu kommen.“ Ob die Einschätzung stimmt? Wer weiß!

So viel ist klar: Die so verhasste Ausmusterung rettete David Blair wahrscheinlich das Leben. Er starb mehr als 40 Jahre später.  Der berüchtigte Schlüssel wurde zusammen mit anderen Titanic-Souvenirs 2007 für einen guten Zweck versteigert. Damit war dieses Kapital im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlossen.

Alfred Gwynne Vanderbilt: TITANIC verpasst, als tragischer Held gestorben

„Lusitania dem Untergang geweiht. Reisen Sie nicht mit ihr. Tod.“

Dieses mysteriöse Telegramm soll der Multimillionär Alfred Vanderbilt 1915 in New York erhalten haben, bevor er an Bord genau dieses britischen Schiffes ging. Drei Jahre zuvor wäre er beinahe mit der Titanic gereist – aber eben nur beinahe. Damals hatte Vanderbilt die Reise kurz vor der Abfahrt gecancelt, ebenso wie sein Onkel mit Frau. Warum, das weiß heute niemand genau. Gerüchte besagen, auch 1912 habe der Mann eine Warnung erhalten und sei deshalb der Katastrophe entkommen.

Die Lusitania sollte den Atlantik von Amerika nach Liverpool überqueren, und das mitten im 1. Weltkrieg. Ein Passagierdampfer, der als Blockadebrecher galt, weil er Munition zu Kriegszwecken schmuggelte. Doch kurz vor der irischen Küste feuerte ein deutsches U-Boot zwei Torpedos auf das Schiff. Es sank innerhalb von 18 Minuten und riss 1.198 Menschen in den Tod.

Alfred Vanderbilt hätte diesmal unter den wenigen Überlebenden sein können, er trug bereits eine Schwimmweste, half nur noch einigen Frauen und Kindern in ihre Westen. Doch dann war da diese junge Mutter mit dem Baby auf dem Arm — und keine Rettungsweste übrig. Kurzerhand zog er seine aus, um ihr hineinzuhelfen. Schwimmen konnte er nicht – und zwischen Chaos und Panik auf dem kippenden Schiff war der Tod absehbar.

Mutter und Kind überlebten. Alfred Vanderbilts Leiche wurde nie gefunden. Seiner Nachwelt ließ er viele Fragen zurück, die sich niemals sicher klären lassen.  Was denkt ihr über diese Geschichte?

John Pierpont Morgan: spontaner Reiserücktritt des Titanic-Financiers

Der Finanztycoon hatte seine Luxussuite mit privatem Promenadendeck auf der Titanic reserviert, er war praktisch Eigentümer dieses Schiffes. Und nicht nur das: J.P. Morgan war Financier der IMMC, einer milliardenschweren Reederei-Holding mit der berühmten White Star Line als ein Baustein von vielen. Insgesamt der Versuch, ein fettes Monopol zu bilden.

Kurz vor der Abfahrt des Unglücksschiffes trat er jedoch von der Reise zurück. Er wollte lieber noch weiter im französischen Kurort Aix-les-Bains seine wohltuenden Schwefelbäder genießen, statt in Cherbourgh an Bord zu gehen.

Ein perfekter Stoff für Verschwörungsmythen! Wusste der Mann, was passieren würde? War es am Ende ein gigantischer Versicherungsbetrug? Fakt ist, der Untergang wurde für die ohnehin angeschlagene IMMC zu einer finanziellen Katastrophe. Morgan starb bereits im Jahr darauf, als die Gerüchte noch richtig dampften. Wollt ihr mehr zu Titanic-Mythen wissen? Damit beschäftige ich mich als Bächstes auf Kuriose Geschichte.