Nellie Bly - Bild aus Wikipedia

Ungezähmte Nellie Bly: vom Irrenhaus in 72 Tagen um die Welt

Ihr Talent wurde entdeckt, weil ihr der Kragen platzte: Elizabeth Jane Cochran aus Pennsylvania schrieb 1884, mit süßen achtzehn Jahren, einen wütenden Leserbrief an eine Zeitung. Grund war eine frauenfeindliche Kolumne, die sie nicht auf sich sitzen lassen wollte. Der Chefredakteur reagierte erstaunlich relaxed: Er engagierte den Temperamentsbolzen für sein Blatt, sie legte sich das Pseudonym Nellie Bly zu und ging auf journalistische Abenteuertour.

Mit 23 Jahren ließ sich Nellie in eine New Yorker Irrenanstalt einweisen, und erlebte dort die Hölle auf Erden. Als vermeintliche Patientin erlitt sie wie alle anderen Hunger, Schläge und eisige Bäder. Zehn Tage dauerte das freiwillige Martyrium, das sie später in ihrem Bestseller „Ten Days in a Mad House sowie in einer Artikelserie verarbeitete. Die Enthüllungen schlugen hohe Wellen und lösten dringend benötigte Reformen aus. Nellie Bly wurde zur ersten Heldin des investigativen Journalismus.

Danach in 72 Tagen um die Welt

Dieser Erfolg genügte der jungen Dame nicht. Mit 25 Jahren entschied sie sich, die Wette von Phileas Fogg aus Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ für sich selbst anzunehmen. Eine konkurrierende Zeitung setzte eine zweite Journalistin, Elisabeth Bisland, auf die Weltreisende an, diese zu unterbieten. 32.800 Kilometer später traf Nellie als Erste wieder in der Heimat ein – sie hatte nur 72 Tage gebraucht, mit Zug, Schiff, Esel … oder was auch immer gerade im Angebot war. 

Plakat „Round The World With Nellie Bly“
Werbung für "Round the World with Nellie Bly"
Das Brettspiel "Around the World with Nellie Bly"

„Round the World with Nellie Bly“ ist der Titel ihres Buches über ihre Weltreise in 72 Tagen, geschrieben von Nelly Bly selbst und veröffentlicht im Jahr 1890. Passend zum Buch gab es ein Brettspiel mit demselben Namen. 

Wer ist Phileas Fogg?

Phileas Fogg ist der Hauptcharakter im Roman „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne aus dem Jahr  1872. Der reiche, exzentrische Engländer schließt in der Geschichte eine Wette ab, die Welt in 80 Tagen zu umrunden und macht sich mit seinem französischen Diener Jean Passepartout auf den Weg. Später schließt sich ihnen die indische Prinzessin Aouda an.

Zeichnung von Phileas Fogg aus Wikipedia
Phileas Fogg, gezeichnet von Alphonse de Neuville und/oder Léon Benett (1873)

Frauenwahlrecht und Kriegsberichte von der Front

Bis zu ihrem Tod 1922 in New York bleibt sie ungezähmt: Eine Frau, die nicht schrieb, was man erwartete – sondern was nötig oder einfach furchtbar spannend war. Ob Reportagen zum damals heißen Thema Frauenwahlrecht oder Kriegsberichte von der Front des 1. Weltkriegs – Nelly Bly nahm furchtlos jede Herausforderung an und ging damit in die Geschichte ein.

Nellie Bly im Gespräch mit einem Offizier der österreichisch-ungarischen Armee im 1. Weltkrieg

Nellie Bly als Kriegsreporterin

Im 1. Weltkrieg berichtete Nellie  Bly für das „New York Evening Journal“ von der Ostfront und führte den Menschen in den USA die schrecklichen Zustände vor Augen. Damit gehörte sie zu den ersten Frontreporterinnen überhaupt. Sie übernachtete sogar in Schützengräben und blieb bis Ende des Krieges vor Ort.

Mein Video über Nellie Bly auf "Kuriose Geschichte"

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