Lola Montez stellte ein ganzes Königreich auf den Kopf – weil der König sich in die Betrügerin verliebte. Geboren wurde sie als Eliza Gilbert in den grünen Hügeln Irlands. Die Tochter eines britischen Offiziers hat rabenschwarzes Haar, was ihr bei ihren Betrügereien noch nützlich sein wird. Mit fünf Jahren zieht es die Familie in die britische Kolonie Indien, wo Eliza ihre Freiheit genießt. Zurück in England behagt ihr die Strenge an der Schule überhaupt nicht – und erst recht möchte sie nicht den reichen, älteren Herrn heiraten, den ihre Mutter für sie ausgesucht hat.
Inhaltsverzeichnis
Toggle"Frevelhafte" Eliza - das geplatzte Märchen
Ausgerechnet mit einem „Begleiter“ ihrer Mutter, einem jungen Offizier der indischen Armee, brennt die junge Frau durch. Doch die Ehe mit diesem Mann wird alles andere als ein Märchen, vor allem, weil Eliza ihre Augen und Finger nicht von anderen Männern lassen kann und sich „frevelhaft“ verhält. Der Offizier lässt sich scheiden – und seine Exfrau mittellos zurück.
Die irische Eliza wird zur spanischen "Lola"
Diese entschließt, sich neu zu erfinden, als spanische Tänzerin Lola Monte. Exotisch, geheimnisvoll und wunderschön tanzt sie sich in die Herzen der Menschen, ohne den Tanz jemals professionell erlernt zu haben. Zu ihrer neuen Persönlichkeit erfindet sie eine eigene Biografie und erhält Engagements in London, wo man sie leider erkennt, sodass „Lola“ erneut die Flucht ergreift. Über Dresden, Berlin, Warschau und Paris irrt sie durch Europa, immer auf der Suche nach der großen Bühne. Ihr Ziel: Wien, die Kaiserstadt der Künste.
Die Tänzerin und der König
Doch der Zufall – oder das Schicksal – lenkt sie nach München, einer beschaulichen Provinzstadt im Herzen Bayerns. Lola ist gerade 25 Jahre alt, als sie im Oktober 1846 die Bühne des Münchner Hoftheaters betritt, um vorzutanzen. Unter den Zuschauern thront niemand Geringeres als König Ludwig I. der 60-jährige bayerische Regent. Da war er wieder, der alte reiche Herr – er zeigte brennendes Interesse und diesmal gab Eliza nach.
Als Geliebte des gebildeten und sensiblen Königs zieht sie in ein prächtiges Palais in der Münchner Innenstadt, wo sie Feste feiert, Gespräche führt und Zigarre rauchend ihren Hund Gassi führt. Was der Herrscher nicht ahnt: Seine spanische Heroin ist so spanisch wie eine Weißwurst. Meisterin der Täuschung, die ihr Leben als Schauspiel inszeniert.
Ludwig I., König von Bayern, ist nicht der berühmte Erbauer von Schloss Neuschwanstein. Das war Ludwig II., sein Enkelsohn. Dazwischen reagierte der Sohn von Ludwig I. – Maximilian II. – in Bayern. Maximilian kaufte das verfallene Schloss Hohenschwangau, baute es zur Sommerresidenz aus und schuf so das direkte Vorbild für das weltberühmte Märchenschloss, das heute „nebenan“ steht.
Das Luxusweib und die Hungerkrise
Ganz München flüstert und lästert, der Hof tobt. Lolas öffentliche Auftritte sind reiner Skandal. Sie reitet in prächtigen Kutschen durch die Straßen, mit ihrem Luxus prahlend, während Bayern in einer Hungerkrise versinkt. Ihre Feinde mehren sich – Adlige, Beamte, die Kirche. Sie peitscht mit ihrer Reitgerte Journalisten, die wagen, Kritik zu äußern, und diktiert dem König ihre Wünsche.
Ludwig, blind vor Verliebtheit, will sie schützen: Er plant, sie zur Gräfin zu erheben. Doch dafür braucht sie die bayerische Staatsbürgerschaft – und kein Minister möchte einen Finger dafür rühren. Die Krise eskaliert. Alle Minister werfen hin, das Kabinett zerfällt. Bayern, das Königreich der Wittelsbacher, steht am Abgrund zu einer Staatskrise. Doch der Unmut brodelt weiter. Nach nur sechs Monaten explodiert er: Aufständische stürmen die Straßen, fordern ihren Rauswurf. Lola ergreift zum dritten Mal im Leben die Flucht.
Der Broadway-Star zelebriert den Skandal
1848 bricht die Revolution aus, Ludwig dankt zugunsten seines Sohnes Maximilian und bleibt bis zu seinem Tod in Briefwechsel mit seiner fernen Geliebten. Lola segelt 1851 über den Atlantik nach Amerika, wo sie als Tänzerin und Entertainerin glänzt. Auf dem Broadway in New York tritt sie sogar in einer Revue auf, die ihren eigenen Skandal musikalisch auf die Schippe nimmt: „Lola Montez in Bavaria“. Sie reist nach Australien, hält Vorträge in England, wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau – und stirbt 1861 mit nur 41 Jahren an der Syphilis.
Die Lola-Manie: irre Reliquienverehrung



