Er wollte seine erfrorenen Beine nicht amputieren lassen. Nach sechs Stunden im eiskalten Nordatlantik kämpfte er nicht mehr nur um sein Leben, sondern auch um seinen großen Traum.
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Toggle"Die Beine müssen amputiert werden!"
Seine Erinnerungen an den Untergang der Titanic waren noch ganz frisch, als er 1913 schon wieder auf dem Tenniscourt stand. Gerade noch hatte er zitternd vor Schmerz und Angst auf dem rettenden Deck der Carpathia gelegen, wo der Schiffsarzt ihm aufgrund der Erfrierungen beide Beine amputieren wollte.
Ein zäher Kampf voller Schmerz und Angst
Traumatisiert von dem Erlebten klammerte sich Richard Norris Williams verzweifelt an seinen Traum, ein Tennisspieler von Weltrang zu werden – und in Harvard zu studieren. Darum war er die Reise von der Schweiz in die alte Heimat USA überhaupt erst angetreten – ausgerechnet an Bord der RMS Titanic. Nein, er musste seine Beine behalten! Und wenn er darüber sterben würde.
Also hievte er sich auf die Füße und stolperte, wankte, lief um sein Leben. Jeder Schritt, den er unter Schmerzen an Deck tat, kurbelte den Blutkreislauf an und nach Stunden zähen Kämpfens hatte er seine Beine zurückgewonnen.
Sechs verzweifelte Stunden im Eismeer
Richards Vater und er waren gemeinsam Erste Klasse gefahren, was sie beide nach der Eisbergkollision nicht davon abhielt, Frauen und Kindern auf die Rettungsboote zu helfen. Für sie selbst blieb kein Boot mehr übrig, und beim Versuch, zu entkommen, musste Richard mit ansehen, wie ein umstürzender Schornstein den Vater erschlug.
Der junge Mann selbst klammerte sich sechs Stunden lang im eiskalten Nordatlantik an ein gekentertes Rettungsboot – bis ihn endlich die rettende Carpathia an Bord nahm.
Der Champion auf dem Tenniscourt
Nur Monate später erreichte Richard Norris Williams das Viertelfinale der US Open, mit zwei gesunden Beinen und enormem Lebensmut. Zweimal wurde er amerikanischer Tennismeister im Einzel, zweimal im Doppel. 1929 folgte der Wimbledon-Sieg im Doppel, mit 34 wurde der Mann auch noch Olympiasieger im Gemischten Doppel! In die International Tennis Hall of Fame zog er 1957 ein. In einer Unglücksnacht hat er beinahe alles verloren – und dann doch den ganz großen Sieg errungen.


