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ToggleDie Imperia in Konstanz
Die einzige Prostituierte, die unter Denkmalschutz steht
Sie ist eine 9 Meter hohe und 18 Tonne schwere Mätresse, die den nackten Papst und den nackten Kaiser auf ihren erhobenen Händen trägt: Die Imperia-Statue im Hafen von Konstanz wurde 1993 in einer Nacht- und Nebelaktion montiert, um sie am nächsten Tag Stück für Stück zu enthüllen.
Danach folgte mächtig Ärger: Vom Stadtrat über die Kirche bis zum Kunstverein waren alle ein bisschen angepisst. Entfernen konnte die provokative Statue von Peter Lenk niemand, weil sie auf einem Privatgrundstück der Deutschen Bahn und eben nicht auf städtischem Grund errichtet.
Was bedeutet die Imperia von Lenk?
Die Darstellung bezieht sich auf das Konzil zu Konstanz zu Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Künstler ließ sich außerdem von den „Tolldreisten Geschichten“ des Honoré de Balzacs inspirieren. Darin spielt eine Kurtisane mit dem Namen Imperia eine Art Marionettentheater mit den Herrschern und Kirchenfürsten des Konzils.
Portraits von echten Menschen zeigen die Papst- und Kaiserfigur nicht. Sie sind nur irgendwelche hässlichen, nackten Männlein mit Krone, Reichsapfel und Tiara.
Was sagt Peter Lenk dazu?
Der Künstler selbst sagt:
„Es handelt sich bei den Figuren der Imperia nicht um den Papst und nicht um den Kaiser, sondern um Gaukler, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht angeeignet haben. Und inwieweit die echten Päpste und Kaiser auch Gaukler waren, überlasse ich der geschichtlichen Bildung der Betrachter.“
Vom Skandal zum Wahrzeichen
So ist’s eben mit der Kunst – und oft auch mit dem echten Leben: Jeder muss es eben für sich interpretieren. Seit 2024 steht die Imperia von Konstanz übrigens unter Denkmalschutz, längst ist sie ein Wahrzeichen der Stadt und eine Erinnerung daran, dass auch die Mächtigsten hin und wieder niedrigen Trieben erliegen.
Der Bodenseereiter in Überlingen
Der Skandalgaul auf der Promenade
‚Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre das niemals genehmigt worden!‘ meinte der Bürgermeister lachend nach der Enthüllung.“ So berichtete es der Künstler Peter Lenk auf seiner Webseite. Bestellt war eine Reiterskulptur zu Gustav Schwabs populärer Ballade „Der Reiter und der Bodensee“. Zumindest hat die Stadt Überlingen das sich wohl so gedacht. Der Künstler dachte sich das aber anders, schließlich sollte die Figur ein originaler „Lenk“ werden.
Ohne es zu ahnen, enthüllte der Bürgermeister 1999 also feierlich, auf seiner malerischen Bodenseepromenade, einen grotesken, störrischen Gaul mit dem Dichter Martin Walser im Sattel. Walser war ein Überlinger Bürger und wohnte zu der Zeit noch im Ort. Auch er hat von dieser Attacke nichts geahnt.
Was bedeutet der Bodenseereiter von Peter Lenk?
Der Reiter trägt Schlittschuhe statt Stiefel, der Gaul starrt freudlos vor sich hin. Getragen wird er von den Schwanzflossen zweier Meerjungfrauen. Und drumherum stehen für alle Zeiten Walsers Schwiegermutter (ohweia!) und zwei Bankdirektoren.
Zu seinem grotesken Walser-Denkmal sagte Peter Lenk: „Dichter – unsterblichkeitsberechtigt – Eiskunstläufer zu Pferde auf den zugefrorenen Seen Deutscher Geschichte. Er steigt erst ab, wenn das Eis gefährlich dünn wird, dann dreht er seine Pirouetten.“ Damit spielt er auf eine heftige Kontroverse im Jahr 1998 an, bei Walsers Entgegennahme des Friedenspreiseses des deutschen Buchhandels entgegennahm. In der Paulskirchenrede wetterte der Dichter gegen eine „Instrumentalisierung des Holocaust“ und bekam mächtig Gegenfeuer.
Martin Walsers Reaktion auf das Kunstwerk
Walser selbst sagte 2004: „Dort, wo es steht, gehe ich nicht mehr hin.“ Und meinte damit das Lenk-Denkmal. Dafür habe er sogar den Friseur gewechselt, sonst wäre er womöglich am Reiter vorbeigekommen. Achja, und auch sagte er: „Da wohnt man 30 Jahre in einer Stadt, und dann stellen sie einfach so etwas auf.“
Trotzdem hat der Bürgermeister wohl nicht nur allein gelacht. Peter Lenk ist schon eine Pflaume!
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Die Yolanda in Ludwigshafen (von Miriam Lenk)
Völlig nackt, nur mit High Heels, am Bodensee: Yolanda besteht aus einer geballten Ladung Kunstharz, wiegt lockere 450 Kilogramm – was man ihr kaum ansieht – und ist rund 3,50 Meter hoch. 2016 kam sie stolz wie eine Gallionsfigur auf einem Schiff über den Bodensee geritten und fand ihren Platz an der Uferpromenade von Ludwigshafen.
Der Gemeinderat hatte die Aufstellung der fülligen Dame zuvor abgelehnt. Private Spender und Sponsoren sprangen in die Bresche, jetzt zeigt sich Yolanda in ihrer vollen Pracht eben auf einem Privatgrundstück, wo sie sich ungestört in der Sonne – und im Regen – rekeln kann.
Die Reaktion der Passanten auf die Passanten
Na, völlig ungestört geht das nicht, dafür hat sie zu viel Aufmerksamkeit. Passanten lachen, starren, fotografieren und ärgern sich manchmal über den Anblick. So viel üppige Weiblichkeit, das erschlägt so manchen Urlauber, der mit diesem Anblick am See überhaupt nicht gerechnet hat.
Was bedeutet die Skulptur Yolanda?
Ein Kunstwerk, das gängige Schönheitsideale hinterfragen soll, Body Positivity nennt man das heute. Weibliches Körperbewusstsein sein stärken. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr um speckige Kurven, sondern darum, als Mensch selbstbewusst Raum einzunehmen – und sich, ganz wie Yolanda, an der blöden Fingerzeigerei nicht zu stören.
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