Denkmal für Kuoni in Stockach

So entstand das Stockacher Narrengericht

Schuldig gesprochen wurden Markus Söder, Karl Lauterbach und Wolfgang Kubicki – aber nicht nur die! Einmal im Jahr auf Fasnet halten die Stockacher Narren über einen hohen Politiker Gericht – und verurteilen ihn zu einer realen Strafe.

Der Angeklagte muss persönlich anwesend sein und sich verteidigen. Kann das das nicht – oder nicht genügend, ergeht es ihm wie Söder: Er musste 150 Liter Wein spendieren und die Gerichtsherren zum Oktoberfest einladen.

Wegen Beleidigung des Gerichts musste Lauterbach, damals noch Gesundheitsminister, zusätzlich zur eigenen Strafe im örtlichen Krankenhaus Schokoladeneis verteilen. Er hatte eine Klimaanlage in den heiligen Hallen des Gerichts gefordert und auch noch laut getönt: „Ich habe keine Angst, vor dem Narrengericht ins Fettnäpfchen zu treten. Ich bin nämlich gegen Fettnäpfchen geimpft.

Mehr von den vielen prominenten Delinquenten kann ich euch später noch erzählen, wenn ihr wollte. Die eigentliche Frage lautet jetzt: Warum dürfen die Stockacher das? Weil ein Stockacher Narr der weise Ratgeber eines Herzogs war!

Die Geschichte hinter dem närrischen Gerichtshof

Herzog Leopold I. von Habsburg fragte 1315 seinen Hofnarren Kuoni aus Stockach: Wie gefällt dir mein Plan? Es ging um einen Schlachtplan gegen aufständische Bauern in der Schweiz. Kuoni nahm kein Blatt vor den Mund: „Übel!“, sagte er. „Alle raten euch, wie ihr hineinkommt – aber keiner, wie ihr wieder lebend herauskommt!“ Der Herzog lachte nur – und die Schlacht wurde zur Katastrophe für ihn.

Im engen, abschüssigen Gelände von Morgartenberg rollten die Eidgenossen Felsbrocken und Baumstämme auf seine Ritter und schlugen das Habsburger Heer vernichtend. Einsicht gab es wie so oft erst hinterher: Aus Dankbarkeit für seine Ehrlichkeit wollte Leopold seinem Kuoni einen Wunsch erfüllen.

Der schlaue Wunsch des Narren Kuoni

„Gebt meiner Heimatstadt Stockach das Recht, einmal im Jahr selbst zu regieren! Zwischen Lichtmess und Lätare sollen die Bürger Gericht halten dürfen.“ Der Herzog starb zu früh, aber sein Bruder, Herzog Albrecht, löste das Versprechen 1351 ein, erteilte das erwünschte Privileg und legte so das Fundament für das „Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stockach“.

Mein Video zum Narrengericht auf "Kuriose Geschichte"