Der Kater Unsinkable Sam überlebte 1941 den katastrophalen Untergang der Bismarck. Katze Trim umsegelte mit Matthew Flinders bis 1803 Australien. Pooli verschlief in einem Helm auf dem US-Angriffstransporter USS Fremont ganze Schlachten und erhielt deshalb den Beinamen Commodore. 1912 ging Schiffskatze Jenny leider mit der Titanic unter (darüber berichte ich in meinen 7 Titanic-Mythen). So viele Geschichten, die ich euch erzählen möchte!
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ToggleWarum gibt es Schiffskatzen?
Schiffskatzen haben eine lange Tradition, die bis ins alte Ägypten und zur phönizischen Schifffahrt zurückreicht. Sie erfüllen den wichtigen Dienst der Mäuse- und Rattenjagd, schützen damit nicht nur die Vorräte, sondern halten auch gefährliche Epidemien fern. Kein Wunder, dass Seefahrer ihre Samtpfoten meist als Glücksbringer sahen – und heute noch sehen.
Historische Gesetzgebung zur Schiffskatze
Schon im mittelalterlichen Regelbuch Black Book of the Admiralty steht zu lesen, dass der Schiffseigner Rattenschäden an transportierten Waren erstatten muss, wenn er auf seinem Handelsschiff keine Katze mit sich führt. Im 13. Jahrhundert erließ der Schottenkönig Alexander II. ein wichtiges Dekret: Ein Schiffswrack galt erst dann als herrenlos, wenn sich kein lebender Mann, kein lebender Hund und auch keine lebende Katze mehr an Bord befand. Die Vierbeiner vertraten sozusagen rechtmäßig den Eigentümer an Bord.
Der französische Staatsmann Jean-Baptiste Colbert verlangte im 17. Jahrhundert, in Handelsverträgen etwas Bedeutendes festzuschreiben: Nämlich, dass ein reisetaugliches Schiff mindestens zwei Katzen brauchte.
Mythen und Aberglaube über die Schiffskatze
Für viele sind allein schon die Wege des Glücksbringers heilig: Nach alter Tradition bringt es Glück, wenn sich die Schiffskatze in Richtung des Seemanns bewegt. Auf ihrem Weg von ihm weg nimmt sie auch das Glück wieder mit sich fort. Seinen Weg zu kreuzen und dann auf leisen Pfoten fortzugehen … unaussprechlich! Dieser arme Seemann sieht einem unglücklichen Schicksal entgegen. Einer Katze, die vor der Abfahrt freiwillig das Schiff verlässt, sollte der Matrose am besten gleich folgen, denn ein solcher Kahn ist gewiss dem Untergang geweiht.
Die Geschichten berühmter Schifskatzen
Ich stelle euch viele historische Schiffskatzen und Bordhunde persönlich vor! Sie haben auf ihre Art Geschichte geschrieben.
Schiffskater Blackie: Schnurrattacke auf Churchill
Das englische Kriegsschiff HMS Prince of Whales begab sich mitten im Zweiten Weltkrieg auf eine Sondermission. An Bord im August 1941 befanden sich Premierminister Winston Churchill und Schiffskater Blackie. Die Fahrt ging über den Atlantik nach Neufundland, für ein Treffen mit US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Dort legten die beiden Staatsmänner die Basis für eine Nachkriegsordnung mit Selbstbestimmung der Völker, freiem Handel und dem Verzicht auf territoriale Eroberung. Mitten im Krieg wurde ihre Atlantik-Charta zum Hoffnungsanker.
Auch Blackie schien die Idee zu lieben. Kurz bevor Churchill nach getaner Arbeit die Prince of Whales verließ, näherte er sich schnurrend dem Premierminister. Der bückte sich für eine ordentliche Streicheleinheit – ein ikonischer Moment, für alle Zeiten im Foto festgehalten. Blackie avancierte zum Symbol der englisch-amerikanischen Freundschaft und wurde seither „Churchill“ genannt. Er überlebte im folgenden Jahr den Untergang seines Schiffes nach einer Attacke der Kaiserlichen japanischen Marinefliegertruppe und kam heile in Singapur an – wo er verloren ging. Sicher leben seine Nachfahren noch heute dort. Unauffällig schwarz gekleidet und für weitere geschichtsträchtige Schnurattacken bereit.
Schiffskatze Emmy sah das Böse kommen
Unter Seefahrern gilt es als böses Omen, wenn die Schiffskatze das Schiff verlässt. Und dieser Tiger wollte wirklich dringend weg! Tigerkatze Emmy war auf der RMS Empress of Ireland zu Hause, einem 1906 in Glasgow gebauten Passagierschiff. Am 28. Mai 1914 sollte es mal wieder über den Nordatlantik gehen, vom kanadischen Quebec nach Liverpool – eine typische Routinefahrt für den 175 Meter langen Dampfer. Emmy jedoch verließ kurz vor der Abreise das Schiff, obwohl ihre Kitten sich noch an Bord befanden.
Die Crew holte die Katze zurück und Emmy machte sich ein zweites Mal aus dem Staub – diesmal endgültig. So mancher Matrose musste danach sicher kräftig schlucken, trotzdem ist niemand von ihnen mit Emmy an Land geblieben.
Früh am nächsten Morgen lag über der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms dichter Nebel. Der norwegische Kohlefrachter Storstad hatte ebenso miese Sicht wie die Empress of Ireland – es kam zur fatalen Kollision. Innerhalb von kurzen 14 Minuten war der Dampfer am Meeresgrund, 1.012 Menschen fanden den Tod, nur 465 überlebten – und Emmy, die das Unglück kommen sah.
Wie Schiffskatze Bouchiq den Kapitän besiegte
Er schleuderte die Schiffskatze ins Meer, er hasste dieses Vieh. Seit dem Stapellauf dieses Schiffes vor zehn Jahren hatte Samtpfote Bouchiq jede Reise mitgemacht. Nun war der zweite Offizier zum Kapitän der Voltigeur aufgestiegen und entledigte sich des vermeintlichen Unrats. Die Matrosen waren fassungslos, nicht wissend, dass sie am nächsten Tag eine Auferstehung feiern würden.
Morgens dann thronte Bouchiq, als sei nichts geschehen, im Krähennest, und ließ sich feiern. Die Freude endete jäh, als der Kapitän das Tier kurz darauf an Land aussetzte, ganze 20 Meilen vom Heimathafen Tréguier entfernt. Aller Protest nützte nichts, dieser Mann war ein echter Katzenhasser.
Die Voltigeur galt Anfang des 19. Jahrhundert als Paradeschiff ihres Geschwaders. In nautischen Wettbewerben errang sie regelmäßig beachtliche Siege. Doch als die Katze nicht mehr an Bord war, ging auch das Glück verloren – nichts half, um den Kahn wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Nicht einmal der Segen eines Priesters, der gerade aus dem Heiligen Rom zurückgekehrt war!
In einer Mannschaftssitzung äußerte ein alter Matrose seinen Verdacht: Das Schiff sei mit der Katze sozusagen verwachsen – und ohne Boushiq konnte es nur bocken.
„Nein“, wiegelte der Kapitän diese Erklärung ab. „Da bockt nichts, du bist nur ein alter Narr.“ Die Mannschaft war entsetzt und ging in den Streik.
„Na gut“, sagte schließlich der genervte Kapitän. „Wir holen das Viech wieder an Bord, falls wir es finden können.“ Natürlich wusste er genau, wie unwahrscheinlich ein Wiedersehen mit Bouchiq war, doch da schaltete sich der alte Matrose noch einmal ein. „Es ist ein erfahrenes Tier, es wird den alten Heimathafen gewiss gefunden haben.“
„Jaja, träum ruhig weiter. Wir sollten eine andere Katze suchen, die eurem Bouchiq ähnlich sieht.“
„Nein, Monsieur. Man kann ein Schiff nicht wie einen Menschen täuschen.“
Seufzend gab der Kapitän auf.
In Trégier weinten inzwischen vermeintliche Witwen und Waisen. Dieses einsame, zerrupfte Tier, das laut klagend am Hafen saß, konnte nur bedeuten, dass das Schiff gesunken war – und die Katze hatte das Unglück als einzige überlebt.
Die Totenmesse war schon geplant, dann lief wie von Geisterhand die Voltigeur im Hafen ein — und glückselig sprang der Tiger an Bord. Was klang lauter: der Jubel auf dem Schiff – oder der an Land? Hat der Kapitän mit eingestimmt?
Das geht aus dem historischen Logbuch nicht hervor, in dem diese Geschichte tatsächlich geschrieben stand.
Kiddo - die unfreiwillige Luftschiffkatze
„Roy, komm und hol diese gottverdammte Katze ab!“ Diesen Funkspruch gab das Luftschiff America als eine Art Notruf ab. Es war 1910 und der Zeppelin wollte von Atlantic City aus eine Atlantiküberquerung wagen. Damals ein riskantes Projekt, bei dem keine Kleinigkeit schiefgehen durfte. Doch gleich zu Anfang war bereits etwas schiefgegangen: Eine Katze hatte sich vor dem Start an Bord geschmuggelt und war jetzt offensichtlich seekrank – oder eher luftkrank. Jedenfalls machte sie ein Heidentheater.
Die Mannschaft versuchte, sie in einem Sack über einem Motorboot abzuseilen, doch der Seegang machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Also erhielt das Tier einen Namen – Kiddo -, blieb an Bord und lebte sich wunderbar ein. Die Samtpfote konnte angeblich sogar das Wetter vorhersagen!
Die Atlantiküberquerung ging leider trotzdem schief. Nach 71,5 Stunden musste die America notwassern, die Crew begab sich in die Rettungsboote und wurde mitsamt Katze von dem Royal Mail Ship Trent an Bord genommen. Kiddo war diese Wendung auch nicht ganz recht, sie soll im Boot um sich gekratzt und mehrere Menschen verletzt haben. Aber egal, der Forscher und Flieger Walter Wellman schenkt das Tier seiner Tochter Edith und so bekam Kiddo schlussendlich ein liebevolles Zuhause – mit sicherem Boden unter den Füßen.
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HERZ und HÄNDE
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Mit einem rebellischen Arzt und seinem viel zu schönen Bruder.
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Sein Ziel: Zurück zu Frau und Kindern. Doch dafür muss er tricksen, täuschen und sich selbst verraten.
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