• online.autorin[at]gmail.com
Das brennt
Auf die Kuh gekommen: Edward Jenner und die erste Impfung

Auf die Kuh gekommen: Edward Jenner und die erste Impfung

Eine lästige Sache, diese Kuhpocken! Beim Melken springen sie gern mal über und bringen Fieber und Ausschlag mit. Bei manchen Menschen bilden sich die hässlichen Pusteln nicht nur an Armen und Beinen, sondern auch um die Augen. Tödlich sind die Kuhpacken nicht, spaßig aber genauso wenig. Sie hinterlassen beim Abheilen entstellende Narben.

Bild oben: Wikipedia

Bild: Wikipedia, gemeinfrei, Link

Erzeugen die Kuhpocken eine Immunität?

Der englische Landarzt und Chirurg Edward Jenner bekam immer wieder Frauen mit dieser Erkrankung zu sehen, denn die legten im auslaufenden 18. Jahrhundert am Kuheuter Hand an. Allerdings behielten die Milchmägde nach der Infektion eine Trumpfkarte für sich: Sie steckten sich nicht mehr mit den Blattern an, den lebensgefährlichen »Menschenpocken«. Diese Erkenntnis ließ Jenner keine Ruhe: Erzeugen die Kuhpocken eine Art Immunität?

Jenners riskanter Versuch an einem Kind

Die Pocken waren eine erschreckende Krankheit, die den Menschen in Asien und Europa jahrhundertelang keine Ruhe ließ. Ungefähr jeder siebte Erkrankte starb, die Überlebenden wurden die Narben nicht mehr los. Grund genug für Edward Jenner, aktiv zu werden: 1796 entnahm er infektiöses Sekret aus der Kuhpockenpustel einer Milchmagd, ritzte eine kleine Wunde in den Oberarm des achtjährigen James Philipps und infizierte das Kind mit den Erregern. Der Gärtnersohn erkrankte und war nach 10 Tagen wieder gesund.

Sechs Wochen nach der weltweit ersten »Impfung«, steckte Jenner das Kind auf dieselbe Weise wie zuvor mit den Blattern an, ein krasser Schritt, der heutzutage wohl kaum Fürsprecher finden würde. Der kleine James blieb zum Glück gesund, er war tatsächlich immunisiert.

Edward Jenner, Bild: gemeinfrei, Link

Ein einziger Proband genügte den Gelehrten nicht

Die Royal Society, die britische Gelehrtengesellschaft, erkannte Jenners Versuch nicht an, weil es nur einen einzigen Probanden gab. Deshalb weitete der Arzt seine Tests aus, sogar seinen gerade elf Monate alter Sohn Robert unterzog er der schmerzhaften Prozedur. Der Arzt untermauerte auf diese Weise die Wirkung seiner Impfung und veröffentlichte in den folgenden Jahren sämtliche Daten seiner Forschung.

Bis zur endgültigen Ausrottung der Pocken dauerte es noch viel Jahre, 1979 soll es den letzten Fall gegeben haben. In Deutschland trat die Krankheit zuletzt 1972 auf, seitdem herrscht diesbezüglich Ruhe.

Übrigens: Das Wort »Vakzin« für Impfung erinnert an Jenners Entdeckung, denn es leitet sich von vaccina ab, dem lateinischen Begriff für »von Kühen stammend«.

Lebensretter Kuh! Bild: BorgMattisson auf Pixabay

Vom Schreckgespenst zum Glücksfall

Die Ausrottung einer Krankheit durch Impfung kann nur durch sterile Immunität gelingen, also wenn immune Personen selbst nicht mehr ansteckend sind. Außerdem muss es sich um eine Erkrankung handeln, die ausschließlich eine Spezies – in diesem Fall den Menschen – befällt, damit der Erreger nicht zwischen den Arten hin- und herspringt und so jedes Mal neue Wirte findet. Und: Das Virus darf nicht mutationsfreudig sein. In diesem Sinne waren die Pocken ein echter Glücksfall. Doch bevor es so weit kam, sorgten sie lange Zeit weltweit für Angst und Schrecken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.