Der Konstanzer Hafen bei der Seegfrörne 1830

Seegfrörne – als der Bodensee zugefroren ist

Als der Bodensee im Februar 1963 komplett zufror, konnten sich die Menschen einfach nicht zügeln. Sie stürmten die gigantische Fläche – 536 km² – zu Fuß, per Schlittschuh, mit dem Motorrad und sogar mit Autos. Die Hänsele der Überlinger Narrenzunft waren vorn mit dabei, sie verlegten ihre Fasnetsbräuche direkt aufs Eis. Der Untersee wurde schon am 14. Januar bei fiesen – 22 Grad freigegeben, seine Eisdecke war bis zu 14 cm dick.

Der erste Autofahrer auf dem Bodensee

Hagnauer Bürger wanderten mutig über den See hinüber zur Schweiz, mitten über den großen Obersee. Irgendjemand wurde der erste Autofahrer, der jemals den Bodensee ohne Fähre überqueren konnte – wer genau das war, darüber streiten sich bis heute die Geister. Insgesamt fünf Autos sollen beim selben Versuch eingebrochen sein. Segelflugzeuge gingen wohl keine unter, auch ihre Piloten konnten der eisigen Anziehungskraft des Sees nicht widerstehen.

Das Rekordwochenende im März

Am ersten Märzwochenende kam es zum Rekord: Zehntausende Passanten aus allen drei angrenzenden Ländern überquerten an verschiedenen Stellen den starren Bodensee. Fährverkehr gab es am Ende keinen mehr, aber wer brauchte den schon? Ein warmer Föhnsturm schob schließlich das Eis zusammen, die Schollen bildeten sich meterhohe Eisberge. Wochen später gab es nichts mehr zu sehen von der spektakulären „Seegfrörene“ – außer die Fotos, die ebenso wie die Erinnerungen bis heute erhalten blieben.

Eiswanderung über den Bodensee: ein Zeitzeugenbericht

„Ein gewaltiger Donnerschlag ließ das Eis erzittern, dem zuvor ein Heulen und Krachen vorausgegangen war. Wir merkten plötzlich, wie sich das Eis unter uns zu wölben und zu senken begann. Die Eisdecke bebte, darunter rauschte und gluckste das Wasser immer stärker werdend. Ein zweiter Donnerschlag und Getöse in einer Lautstärke, als ob Düsenjäger über uns hinwegfegten. Wir dachten, jetzt ist unser letztes Stündle gekommen und liefen, als wäre der Teufel hinter uns her.“

Das erzählten sehr lebendig zwei Freunde aus Langenargen, die zu Fuß heile in im Schweizerischen Rheinspitz ankamen. Puh! Hättest ihr euch einmal rüber getraut?

Mein Video über die Seegfrörne 1963

Er ritt über den Bodensee, ohne es zu merken! Zuerst mit Happy-End, aber dann … Andreas Egglisperger war fremd in der Gegend. Der Elsässer Postvogt hatte aber im Januar 1573 am See zu tun, ausgerechnet bei harschem Winterwetter.

Den Anleger für den Fährkahn, den er suchte, fand er in der weißen Landschaft nicht. Er verpasste einfach das Ufer und überquerte zu Pferd die zugeschneite Eisfläche, die er für eine baumlose Ebene hielt. Es war Seegfrörne, eine Jahrhundertereignis, bei dem die gigantische Seeoberfläche vollständig erstarrt!

Die Ankunft auf der anderen Seite

Auf der anderen Seite strömten begeisterte Menschen zusammen, beglückwünschten ihn zum mutigen Ritt, der zum Glück – zum Glück! – gut ausging. Jetzt wurde ihm erst klar, was er da getan hatte. Oh, Shit! Der Schreck jagte seinen Puls so hoch, dass es den Bodenseereiter von den Socken haute. Prompt fiel er tot vom Pferd.

Ein reales Ereignis - oder nur eine Geschichte?

Die Geschichte ist schriftlich von damals überliefert, ihr Wahrheitsgehalt lässt sich natürlich nicht prüfen. Seither steht das geflügelte Wort „Ritt über den Bodensee“ für eine verwegene Tat, die dem Ausführenden beim „Machen“ gar nicht bewusst ist. Gustav Schwab dichtete daraus 1826 seine berühmte Ballade über den Bodenseereiter.

Die Lenk-Skulptur zum Bodenseereiter

Die Stadt Überlingen bestellte in den späten 90ern beim Künstler Peter Lenk eine Skulptur zum Thema – und erhielt einen unschönen, störrischen Gaul mit Martin Walser im Sattel auf die Promenade gesetzt. Dazu habe ich ein eigenes Reel erstellt. So hat Überlingen den eigenen Ritt über den Bodensee absolviert – und prompt die Quittung bekommen.