Helden der Medizin

Helden der Medizin: Lebensretter in Wort und Tat

Heldinnen und Helden der Medizin: So nenne ich alle historischen Persönlichkeiten, zur Heilung von Menschen berufen waren. Ob sie nun grandiose Therapien erfanden oder unter Einsatz des eigenen Lebens drastische Entscheidungen trafen – an dieser Stelle möchte ich ihnen einen ehrenvollen Platz geben, damit sie auch in heutiger Zeit im Gedächtnis bleiben. 

Ja, dieser britische Arzt hieß wirklich John Snow! 1854 war er wild entschlossen, eine Wasserpumpe außer Betrieb zu nehmen, was seinen Zeitgenossen reichlich seltsam vorkam. Schlussendlich konnte er die verantwortliche Behörde dazu bringen, den Schwengel abzumontieren, damit an dieser Stelle niemand mehr Wasser entnehmen konnte.

John Snow, britischer Arzt
John Snow

Damals herrschte in London eine schwere Cholera-Epidemie, die sich nach damaligem Glauben durch sogenannte Miasmen, also schlechte Dünste, verbreiten sollte. Snow war andere Ansicht, er hatte bereits Kenntnisse in Mikrobiologie und konnte zusammen mit einem Kollegen in Stuhlproben von Patienten und dem verseuchten Wasser dieselben Keime nachweisen.

Geglaubt hat solchen Forschern, die von Krankheitskeimen redeten, kaum jemand, umso mehr scheint es ein Wunder, dass Snow sich durchsetzen konnte. Auf genau diesen Brunnen war er gekommen, weil Mitarbeiter einer Brauerei ganz in der Nähe nicht erkrankten und gleichzeitig ihr Trinkwasser von woanders nahmen. Die Epidemie kam zum Erliegen, Tausende Menschen waren gerettet – doch die Keimtheorie galt erst Jahre nach Snows Tod als belegt.

Julius Wagner-Jauregg infizierte Patienten mit Malarie - und bekam den Nobelpreis

Ein Psychiater, der seine Patienten absichtlich mit Malaria infizierte, erhielt 1927 den Nobelpreis für Medizin. Was auf den ersten Blick irre klingt, ist bei genauem Hinsehen logisch: Der Österreicher Julius Wagner-Jauregg beobachtete bei Patienten, die an den Spätfolgen der Syphilis litten, dass Fieberanfälle die Symptome lindern können und in vielen Fällen sogar zur Heilung führen. 

Julius Wagner-Jauregg
Julius Wagner-Jauregg

Also impfte er die von Neuro-Syphilis betroffenen Menschen mit aktiven Malaria-Erregern, erzeugte so künstlich hohes Fieber und konnte bis zu 30 Prozent der dem Tod geweihten Patienten retten. Bis in die 50er Jahre hinein verdanken viele Tausend Menschen dieser Methode ihr Leben, wenn sie nicht im Anschluss der Malaria zum Opfer fielen. Antibiotika lösten die riskante Therapie zum Glück ab.

Wie Eugene Lazoswki mit einer Fake-Epidemie im 3. Reich Juden rettete

Er polnische Arzt Dr. Eugene Lazowski rettete durch eine Fake-Epidemie 8000 polnischen Juden das Leben. Er war gerade 26 Jahre alt, als 1939 die Nazis in Polen einmarschierten. Unter der Zwangsherrschaft verbreitete sich eine Fleckfieberepidemie, die etwa 750 Menschenleben jeden Tag forderte. Die Besatzer verstärkten als vorbeugende Maßnahmen ihre Bemühungen, die Juden im Land so schnell es ging zu vernichten.

Als der junge Arzt einen toten Stamm des Fleckfieberbakteriums entdeckte, der einen positiven Test auslöste, entschloss er sich, diesen zur Verteidigung gegen die Nazis einzusetzen. Er verbreitete Proeus ox19, bis die Besatzer an eine massive Epidemie glaubten und mehrere Dörfer abriegelten, in denen sich auch tausende von Juden befanden. In Quarantäne ließ man sie schließlich in Ruhe und sie überlebten.

Barry Marshall trank gefährliche Bakterien, um Leben zu retten

Barry Marshall trank 1984 absichtlich ein Reagenzglas gefährlicher Bakterien, um damit eine schwere Magenschleimhautentzündung auszulösen, 21 Jahre später, im Jahr 2005, erhielt er für diese Heldentat den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Damals hatte ihm niemand geglaubt, dass Helikobakta-Pylori-Bakterien im sauren Milieu des Magens überleben und dort Gastritis und Magengeschwüre auslösen. Da Fremdversuche verboten waren, trat der Mikrobiologe den Selbstversuch an und kurierte sich anschließend selbst mit Antibiotika. Niemand weiß, wie viele Erkrankungen dieser mutige Akt seither verhindert hat.

Der falsche Arzt als Frühchenretter

Frühchen zu päppeln lohne sich nicht, sie seien geboren, um zu sterben: So hart urteilten selbsternannte Eugeniker um das Jahr 1900.

Martin Couney, der sich fälschlicherweise als Arzt ausgab, wollte das nicht akzeptieren. Er holte sich seine Inspiration bei den damals üblichen Hühnerbrutkästen und baute Kinderbrutkästen, in die er die um ihr Leben kämpfenden Winzlinge legte.

Ab 1903 stellte er die kleinen Wesen im Vergnügungspark auf Coney Island aus, der Eintritt kostete die Besucher 25 Cents. Was menschenverachtend klingt, rettete mehr als 7.000 Menschen das Leben. Als die Ausstellung 1943 ihre Pforten schloss, hatten fast alle Krankenhäuser in den USA die Brutkästen eingeführt.

Die Frühchenversorgung war in vollem Gange, der falsche Arzt hatte eine medizinische Revolution ausgelöst.